Die erste Narbe unseres Lebens ist unser Bauchnabel. Nach unserer Geburt wird die Nabelschnur durchtrennt, ein kleiner Rest verbleibt am Nabel und fällt nach drei bis zehn Tagen ab. Ob ein Nabel nach außen gewölbt oder nach innen eingezogen verheilt lässt sich auf verschiedene Ursachen wie etwa genetische Veranlagung oder Wundheilungsart zurückführen.
Unser Leben zu leben heißt mitunter auch, verschiedenen Gefahren ausgesetzt zu sein. Unfälle, operative Eingriffe, Kaiserschnitt, Verbrennungen, Verätzungen, entzündliche Hauterkrankungen: All dies kann zu tieferen Hautverletzungen führen. Der Körper kann die Wunde nicht mehr vollständig durch neue Hautzellen versorgen. Es entsteht ein Ersatzgewebe, eine Narbe, die anders aufgebaut ist als dies bei gesunder Haut der Fall ist. Sie ist weniger elastisch und besitzt keine Pigmentzellen (Melanin), um unser natürliches Hautfärbung herzustellen. Aus diesem Grund wirken Narben auf Umweltreize besonders sensibel.
Sie sind zum einen sichtbare Spuren von „Einschnitten“, die sich in unserem Leben ereignet haben. Es sind zum anderen nicht nur physische Spuren, die sich auf unserer Haut zeigen. Ihre Auswirkungen sind auf uns Menschen viel tiefgreifender. So bestehen neben den körperlichen auch emotional-seelische Narben.
Narben nehmen wir sehr unterschiedlich wahr. Sie können für uns ein Ausdruck von Stärke sein. „Du hast verschiedene herausfordernde Situationen gut gemeistert, dein Körper ist imstande, Verletzungen oder Krankheiten zu heilen“ könnte so eine Botschaft sein.
Narbengewebe besitzt keine Elastizität wie gesunde Haut und zieht sich zusammen. Spannungsempfindungen sind eine mögliche Folge. Die Faszien, die unsere verschiedenen Körperstrukturen umhüllen, können durch eine Narbe derart gefordert sein, dass Blockaden und Spannungen in entfernteren Gewebebereichen entstehen. Auch können unter der Narbe befindliche Strukturen wie Faszien, Muskeln oder Fettgewebe Verklebungen vorhanden sein. Ein problemloses Gleiten einzelner Gewebeschichten ist nicht mehr möglich. Zugspannungen werden spürbar.
Narben können zudem den Energiefluss unserer Meridiane stören und als eine Art Störfelder blockierend wirken. Mögliche Folgen sind Schmerzen, Empfindungsstörungen, eine erhöhte Sensibilität, Steifheit oder funktionelle Störungen an anderen Körperstellen. Alles in allem fühlen wir uns auf unangenehme Weise eingeschränkt oder blockiert.
Die emotionale Narbenebene
Darüber hinaus sind Narben tief mit emotionalen Erfahrungen verbunden: Angst, Unsicherheit (durch operative Eingriffe), Scham (aufgrund von Narben an exponierten Stellen), Trauer (über den Verlust der körperlichen Unversehrtheit), Wut (aufgrund einer Verletzung, die uns von außen zugefügt wurde). Beim Anblick oder auch bei Berührung der Narbe ist es möglich, dass diese emotionalen Stresserlebnisse aktiviert werden. Das traumatische Ursprungserlebnis wird von Neuem durcherlebt. Dies bedeutet Stress und Belastung für unser System. Hier braucht es einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die körperliche als auch die psychische Ebene einbezieht.
Pflanzliche Narbenfürsorge
Bulbine (Bulbine frutescens): Die Heimat dieses Affodillgewächses ist Südafrika. Sie besitzt wunderschöne Blütenstände mit gelb-orangen Blütenblättern, die kerzenförmig emporwachsen. Von ihren heilsamen Kräften macht die einheimische Bevölkerung Gebrauch, indem sie traditionelle Arzneimittel zur Behandlung von Hautkrankheiten herstellt. Ebenso ist Bulbine in der traditionellen Heilkunde im Bereich der Wundheilung fest verankert. Der wunderbare Blattsaft ist klar, im Aussehen und seiner Konsistenz ähnelt er dem Aloe vera Gel. Bulbine wirkt entzündungshemmend, antioxidativ und feuchtigkeitsspendend.
Immortelle (Helichrysum italicum): Das ätherische Öl von Immortelle fördert die Regeneration älterer Narben ebenso, wie es auch bei frischen Verletzungen ein wunderbarer Begleiter sein kann. In Kombination mit dem Wirkstofföl der Rose (Rosa canina) bietet Immortelle eine wunderbare regenerative Möglichkeit für die Haut. Narbengewebe kann so weicher, blasser flacher werden. Mein Tipp: Auch das Immortellenhydrolat ist ein probates Mittel, um die Hautregeneration zu unterstützen.
Ringelblume (Calendual officinalis): Aus den Blütenblättern dieser einjährigen Pflanze wird ein Ölauszug zubereitet. Dieses Wirkstofföl besitzt eine durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Wirkung. Die Bildung von neuem Hautgewebe wird unterstützt.
Veilchen (Viola odorata): Das Duftveilchen erfreut im Monat März unsere Gemüter. Sein intensiv süß-blumiger Duft ist es an sonnigen Tagen für unsere Frühlingsnasen unverkennbar. Veilchencreme kann älteres Narbengewebe weicher und geschmeidiger machen.
Indischer Wassernabel (Centella asiatica): Auch unter dem Namen Tigergras bekannt, wächst die unscheinbare Pflanze mit ihren herz- bis nierenförmigen hellgrünen Blättern in den tropischen und subtropischen Regionen Asiens. Centella asiatica wird im Ayurveda als stärkendes Regenerationsmittel gegen Erschöpfung sehr geschätzt. Bei Narben, selbst wenn sie wulstig sind, leistet die Pflanze gute Dienste. Indischer Wassernabel wirkt aufgrund seiner starken Stimulierung des Kollagen-Stoffwechsels bei Falten, bei Hauterschlaffung und bei juckenden Ekzemen.
Meine weiteren Empfehlungen: Direkte Sonneneinstrahlung, Kälte und Wärme bedeuten für das junge Gewebe Stress. Da Narbengewebe kein Melanin herstellen kann, ist bei zu viel Sonne eine postinflammatorische Hyperpigmentierung mit dauerhaft dunkler Haut eine mögliche Folge. Daher die Narbe zu Beginn lieber schonen. Damit Narbengewebe gut regenerieren kann, braucht unser Körper Flüssigkeit. Daher regelmäßig Wasser oder ungesüßten Tee trinken. Sauerstoff und Nährstoffe können zum Gewebe transportiert werden, was für den Heilungsprozess wesentlich ist. Leichte Kleidung aus Naturmaterialien wie Seide oder Baumwolle an den betroffenen Hautstellen tragen, um zusätzliche Reizungen des Narbengewebes zu vermeiden.
Lechner, Michaela: Dr. Neuburger Wissenskreis „Bulbine“
Zimmermann, Eliane: Immortelle nach Operationen zur Behandlung von Narben, https://aromapraxis.de/oele-lexikon/immortelle-helichrysum-italicum/, [abgerufen am 30.4.2026]
Zimmermann, Eliane: Centella – das Kraut gegen Cellulite, Narben und Falten, https://aromapraxis.de/2011/04/05/centella-das-kraut-gegen-cellulite-narben-und-falten/ [30.4.2026]
Wagner & Wagner: Narbenpflege mit der Kraft der Natur, https://www.wagnerundwagner.de/aktuelles/narbenpflege-mit-der-kraft-der-natur [30.4.2026]
Deutscher Heilpraktiker: Der Bauchnabel – die erste Narbe unseres Lebens, funktionelle Anatomie, https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-2090-6372 [30.04.2026]





