Unser ältester Sinn ist das Riechen. In unserer Nase befinden sich etwa 30 Millionen Riechzellen. Rund einmal pro Monat wird der Innenbereich unserer Nase von den Schleimhäuten bis zum Gehirn rundumerneuert. Für die Regeneration unseres dort befindlichen Nervensystems ist dies ein wesentlicher Reparaturmechanismus.
Mit jedem Atemzug sind wir Gerüchen ausgesetzt: Wir können die Augen verschließen, um nichts zu sehen, uns die Ohren zuhalten, um nichts zu hören – aber die Luft anhalten, um keine Düfte in uns aufzunehmen, ist partout nicht möglich. Wir sind folglich gezwungen, uns mit den uns umgebenden Gerüchen und folglich in uns losgetretenen biochemischen Mechanismen auseinanderzusetzen, ob wir wollen oder nicht.
Unser Gehirn gleicht die eintreffenden Duftinformationen ununterbrochen mit bereits erlebten Situationen aus der Vergangenheit ab und vergleicht, ob Gefahr droht oder nicht. Denn die Nase vollzieht die Aufgabe, uns in Gefahrensituationen zu warnen. So werden Geschehnisse immer in Form von „Duftpaketen“ abgespeichert und Düfte mit positiven (Wohlfühlen) oder negativen (Angst, Wut) Eindrücken assoziiert. Dieser Speichermechanismus erfolgt ganz von selbst, ohne unser bewusstes Zutun.
Das bedeutet, dass unser Großhirn, der Ort des Denkens, Abwägens und Beurteilens, umgangen, und das Gefühlszentrum mit dem Limbischen System und Hippocampus direkt adressiert wird. Beide Areale gehören zu den alten Teilen unseres Gehirns, die unseren unbewussten Teil ausmachen. Hier sind Instinkte, Emotionen aber auch Erinnerungen verortet. Diesen Aspekten unseres Lebens können wir nicht entkommen, auch wenn der Duft, der uns umgibt, noch so unterschwellig und für uns nicht wahrnehmbar erscheint.
So geschieht es, dass uns bestimmte Gerüche in Windeseile in die Küche unserer geliebten Großmutter zurückholen können, die uns vor Jahrzehnten mit einem leckeren Apfelkuchen versorgt hat. Auch die Erinnerung an einen wunderbaren Urlaubsort vergangener Zeiten ist möglich. Zugleich kann es sein, dass wir aufgrund von Düften Geschehnisse aus unserer Vergangenheit vor unser geistiges Auge bekommen, die in uns Wut oder gar Angst hervorrufen. Eine negative Stresskaskade wird im letzten Beispiel in uns gestartet. Dies belastet uns. Dann kann unsere Stimmung gedrückt sein, die Muskulatur ist angespannt, die Herzfrequenz kann erhöht, ebenso der Blutdruck höher sein. Wir fühlen uns nervös, klares Denken ist nicht mehr möglich, wir schwitzen, fühlen uns verwirrt und viele Aspekte mehr.
Das kannst du tun: Viele Düfte in Form naturreiner ätherischer Öle zielen auf Stressreduktion und Entspannung ab. Dies kann bei sich wiederholenden Stresssituationen eine gute Stütze sein. Möglich ist, vorab ein eigenes Riechtraining mit einer für dich angenehmen angstlösenden oder allgemein entspannenden Duftkomposition, beispielsweise mit Orange, Tonkabohne, Rose und Vanille, durchzuführen. Damit kannst du im Bedarfsfall einen rascheren Ausstieg aus dem Stressmechanismus finden. Hier sollte das positive Dufterlebnis aber bereits trainiert, abgespeichert und damit griffbereit sein.
Auch ist die Technik der Kinesiologie - die zweckmäßige Entstressung deines Körper-Geist-Seele-Systems - ein weiteres bewährtes Mittel der Wahl.
